Bernard MacLaverty, Schnee in Amsterdam

Eine Empfehlung von Birgit Matthias

Ein älteres Ehepaar aus Glasgow, Stella und Gerry Gilmore, möchte mit einem verlängerten Wochenende in Amsterdam die Routine ihres Ruhestandsalltages unterbrechen. Was als erfrischende Abwechslung zum etwas trist gewordenen Ehealltag gedacht war, entwickelt sich mehr und mehr zu einer Bilanz der Vergangenheit und schmerzhaften Erkenntnis über ein zunehmend unbefriedigendes Leben. Die Beiden lieben sich – in den vielen kleinen Gesten und Details ist ihre langjährige Vertrautheit sehr spürbar -, man kennt und erträgt einander samt aller Fehler. Doch in den vier Tagen ihres gemeinsamen Aufenthaltes treten tiefe Risse ihrer Beziehung zutage. Dem Leser dämmert langsam, dass die pensionierte Lehrerin Stella einen ganz eigenen Plan verfolgt. Dieser Plan hängt mit einem der bezauberndsten Orte in Amsterdam zusammen, dem Beginenhof, und mit einem Gelübde, das Stella einst abgelegt hat. Gerry dagegen, ehemaliger Architekt, hat weitgehend abgeschlossen mit seinem Leben, in dem der Alkohol eine zu große Rolle spielt. Während ihrer Reise drängt allmählich ein Ereignis aus ihrer gemeinsamen Vergangenheit in Belfast, Nordirland, immer stärker an die Oberfläche, etwas, das ihr ganzes Leben geprägt hat. Am Ende der Reise zeigt sich, wie tief der Graben zwischen ihnen wirklich ist.

„Sein Stil ist von trügerischer Einfachheit, direkt und schnörkellos. Aber worüber er in seinem lange erwarteten Roman schreibt…ist ganz und gar nicht einfach und direkt. Es ist der Stoff, aus dem unser Leben gemacht ist.“ So urteilt Richard Ford über das neue Buch von MacLaverty. Ein Roman über Liebe und deren Verlust – erzählt mit großer Genauigkeitund enormer Empathie – für beide Romanfiguren.

C. H. Beck, € 22,-, gebunden, Erscheinungstermin 18.09.2018,