Christian Kracht, Die Toten (Kiepenheuer & Witsch)

kracht-_die-totenEine Empfehlung von Gerrit Völker

Irgendwann Anfang der 1930er Jahre: Emil Nägeli, ein Schweizer Filmregisseur, soll mit Geldern der deutschen UFA einen Horrorfilm in Japan drehen. Eingefädelt hat diesen Deal der undurchschaubare Ministerialbeamte Masahito Amakasu, der die Vorherrschaft Hollywoods auf dem japanischen Filmmarkt beenden will. Doch das Filmprojekt wird schließlich gänzlich andere Wege gehen, so verworren und diffus verlaufen wie die Zeiten selbst. Und Nägeli wird am Ende ein anderer Mensch sein.

Mit „Die Toten“ fängt Christian Kracht einmal mehr auf literarisch grandiose Weise die subkutan unter der Weltgeschichte verlaufenden Strukturen und das Ausstrahlen der Ereignisse auf die Personen ein. Wie dieser Roman auf nur etwas über 200 Seiten die Dämonen einer Welt im Wandel aufruft, Technik- und Filmgeschichte inszeniert und wie gekonnt er Nägelis und Amakasus Lebensläufe und gleichsam europäische und japanische Geschichte im Thema Film zusammenführt – das ist schon, hier sei die Floskel  erlaubt, großes Kino. Mit einigen süffisant besetzten Nebenrollen übrigens, nicht nur für Heinz Rühmann und Charlie Chaplin, die hier Slapstick mit hässlichen Fratzen spielen.

(Kiepenheuer & Witsch, gebunden, 20,- €)