François Garde, Was mit dem Weißen Wilden geschah (C.H Beck)

Eine Empfehlung von Gerrit Völker

Bei der Erkundung Australiens wird der französische Matrose Narcisse Pelletier auf einem Landgang von seinem Schiff zurückgelassen. Ein Aborigine-Stamm nimmt ihn auf und als er siebzehn Jahre später wieder auftaucht, ist er tätowiert, benimmt sich ganz und gar absonderlich und spricht in einer seltsamen urzeitlich anmutenden Sprache. Ein Wilder – kann das überhaupt ein Franzose sein? Er wird erneut adoptiert: Der reisende Wissenschaftler Octave de Vallombrun möchte ihn in Paris wieder in die einmalige, famose, überlegene französische Kultur und Gesellschaft eingliedern. Das gestaltet sich aber nicht eben einfach…

Garde reflektiert unterhaltsam, im Stile eines Abenteuerromans und über weite Passagen in Briefform, die Begegnung mit dem Anderen, das Andere im Selbst und wirft so einen transnationalen, auch ironischen Blick auf imperiales Denken und die Kolonialgeschichte des 19. Jahrhunderts, die bis heute ausstrahlt. Ein packendes, klug geschriebenes Leseabenteuer.

(übers. v.  Sylvia Spatz, C.H. Beck, gebunden, 19,95 €)