Jean Echenoz, 14 (Hanser Berlin)

Eine Empfehlung von Gerrit Völker

Jean Echenoz wird bei uns viel zu wenig gelesen. Zuletzt hat er mit seinen drei teilbiographischen Texten über Ravel (Ravel), Zátopek (Laufen) und Tesla (Blitze) die Kunst des knappen Erzählens perfektioniert. Mit seinem neuen Roman 14 bleibt er, der Titel deutet es schon an, seinem Konzept der historischen Romanminiatur treu. Vielleicht setzt sogar noch einen drauf: Wohl noch nie wurde in der Literatur der Erste Weltkrieg so knapp und feinsinnig, so lakonisch, so wenig metaphorisch und pathetisch behandelt. Gerade aber durch diese beinahe sachliche Erzählweise wird der Wahnsinn des Krieges deutlich. Wie eine Welle überrollt er eine zuvor beinahe heile Welt. So muss Anthime, die Hauptfigur des Romans, durch die von Glockengeläut signalisierte Mobilmachung seine Fahrradtour durch eine pittoreske Landschaft abbrechen, es folgen in schnellen Abständen das Anpassen der Uniform, die Anreise ins Kriegsgebiet, der Kampf, die Verwundung, schließlich die Amputation, die ihn allerdings vor schlimmeren Übeln bewahrt.

Das literarische Verfahren bestimmt bei Echenoz den Blick auf das Sujet. Durchdacht, konsequent, differenziert und erfreulich meilenweit entfernt von zeitgenössischen Roman-Materialschlachten in Ernst-Jünger-Manier.

(übers. v. Hinrich Schmidt-Henkel, Hanser Berlin, gebunden, 14,90 €)