José Eduardo Agualusa, Das Lachen des Geckos

Eine Empfehlung von Gerrit Völker

Félix Ventura ist ein Exot. Als afrikanischer Albino fällt er auf im Straßenbild von Angolas Hauptstadt Luanda. Sein Aussehen stigmatisiert ihn und man meidet ihn. So lebt er recht zurückgezogen in seinem großen schattigen Haus, wo er diskret einer Tätigkeit nachgeht, die nicht minder außergewöhnlich ist als sein Erscheinungsbild und die er als „eine entwickelte Form von Literatur“ bezeichnet: Er verschafft Menschen eine neue Vergangenheit, einen fiktiven Stammbaum, stattet sie mit Materialien und Dokumenten aus, verschafft ihnen eine Herkunft, die ihnen die Gegenwart erleichtert. Aus dem korrupten Parteisoldat und Minister wird ein Bürgerkriegsheld, Politiker einfacher Herkunft werden zu Aristokraten, Neureiche werden zu Nachkommen von portugiesischen Eroberern… Venturas Herausforderung und gleichermaßen seine große Kunst ist die Verknüpfung dieser Pseudogenealogien mit dem gegenwärtigen realen Leben seiner Klienten. Als einer dieser Klienten, ein sinistrer Ausländer, dem Ventura eine afrikanische Vergangenheit verkauft, sich allzu sehr damit identifiziert und sie, auch im Zuge eigener Recherchen, mehr und mehr als wahr und real wahrnimmt, wird Ventura hineingezogen in undurchsichtige Prozesse, die seine Arbeit und seine Existenz erschüttern. Beobachtet wird er dabei vom Erzähler des Romans, der nach einer bemerkenswerten Metamorphose nun als Gecko an Wänden und Decken von Venturas Haus schleicht.
„Das Lachen des Geckos“ ist ein uneingeschränkt großartiger Roman. Er entwickelt nicht nur anhand seiner Figuren virtuos das Porträt des von jahrzehntelangen, verworrenen Revolutions- und Bürgerkriegshandlungen geschundenen Angola, sondern verhandelt so vielschichtig wie unangestrengt große Fragen nach den Wechselwirkungen von Herkunft und Legende, von Realität und Fiktion, von Leben und Literatur. Wunderbar, dass dieses große Leseerlebnis (toll übersetzt von Michael Kegler) nun wieder vorliegt.

Unionsverlag, 12,95 €, kartoniert, Erscheinungsdatum 16.07.2018