Juan Gabriel Vásquez, Das Geräusch der Dinge beim Fallen (Schöffling & Co.)

g-Vasques-Juan-Gabriel-Das-Gespraech-der-Dinge-beim-FallenEine Empfehlung von Gerrit Völker

Bogotá, Kolumbien 2009: Ein Zeitschriftenartikel berichtet von der Jagd auf ein Nilpferd, das aus dem ehemaligen Privatzoo des legendären Drogenbarons Pablo Escobar ausgebrochen ist. Für den Jura-Professor Antonio Yammata ist dieser Bericht Ausgangspunkt eines Rückblicks auf die Ereignisse im Kolumbien der 1980er- und 1990er- Jahre.

Es ist die Geschichte des ehemaligen Piloten und Häftlings Ricardo Laverde, den Yammata 1996 in einem Billardsalon kennenlernt. Eine Bekanntschaft von kurzer Dauer, denn Laverde wird auf offener Straße erschossen; Yammata selbst wird bei diesem Anschlag schwer verwundet und traumatisiert. Laverde hinterlässt eine Tochter, eine Kassette mit der Blackbox-Aufzeichnung eines Flugzeugabsturzes, bei dem seine Frau ums Leben gekommen ist, – und jede Menge Fragezeichen. Wer war dieser Mann, weshalb hat er gesessen, welche Rolle hat er als Pilot gespielt? Yammata begibt sich auf Recherchen, die tief hinein führen in die jüngere Geschichte Kolumbiens, einem Land außerhalb ziviler Kontrolle, geprägt von Kokainhandel, Mord und Exzessen auf allen Ebenen.

„Das Geräusch der Dinge beim Fallen“ wurde mit internationalen Preisen ausgezeichnet. Zu Recht! Als Spannungsroman konzipiert und geradlinig erzählt, entwickelt die Handlung einen gewaltigen Sog. Darüber hinaus zeichnet der Roman die Anatomie eines Landes und einer Generation und reflektiert Aspekte von System und Zufall, Identität und Zwang, Erinnerung und Wandel. Weltliteratur!

(Schöffling & Co., übers. v. Susanne Lange, gebunden, 22,95 €)