Juli Zeh, Nullzeit (btb)

Eine Empfehlung von Gerrit Völker

Endlich gibt es Zehs letzten Streich jetzt als Taschenbuch. Er handelt von Sven, einem Tauchlehrer auf den Kanaren (typischer Aussteigertyp) und einem nebulösen Paar, sie ein Seriensternchen (typisch verführerische Tochter aus, naja, „gutem Hause“), er ein zynischer alternden Literat (typisch zynischer alternder Literat), das ihn für einen Tauchkurs bucht. Schnell kommt die Frage auf, was mit Jola und Theo eigentlich los ist – brauchen sie einen Beziehungskick oder wollen sie sich tatsächlich an die Gurgel? Ebenso schnell entwickelt sich eine Dreiecksbeziehung mit unabsehbaren Folgen.

Zeh jongliert mit Klischees, die sie kunstvoll bricht und erzeugt einen Sog, der den Leser bis zum bitteren Ende in den Bann zieht. Nullzeit ist ein Spiel mit Unzuverlässigkeiten, das konsequent bis hin auf die Ebene des Erzählens getrieben wird. Hier möchte man wirklich niemandem trauen. Unwiderstehlich.

(btb, Taschenbuch, 9,99 €)