Karin Kalisa, Sungs Laden (C.H. Beck)

Sungs Laden_C.H. BeckEine Empfehlung von Claudia Kürten

„Gute Laune herrscht in Berlin! Eine Utopie, natürlich. Aber von unserer Gegenwart gar nicht so weit entfernt.“

In Minhs Schule soll ein Fest der Kulturen stattfinden. Kurz vor Weihnachten ist der Terminplan eng, so entscheidet der findige Direktor: Aus jeder an der Schule vertretenen Nation (21) soll ein Kind einen Alltagsgegenstand (kein Essen!) mitbringen und darüber zwei Minuten lang referieren.

Minhs Vater Sung, ein in Berlin geborener, studierter Archäologe und Inhaber des von seinen Eltern gegründeten vietnamesischen Ladens, schickt Minh mit diesem Ansinnen zu ihrer Großmutter Hièn.

Diese zögert nicht lange, packt ihre Wassertheaterpuppe Thuy ein und begleitet Minh zu seiner Schule um dort den Kindern und Lehrern eine märchenhafte Geschichte zu erzählen, von Liebe und Krieg und einem Land, das dem Wasser gehört und einer Frau, die von dort in die Fremde aufbrach…

Dieses Märchen zieht in der Wirklichkeit des heutigen Berlins unerwartete Folgen nach sich: Parkwächter tragen Kegelhüte, eine Kunstlehrerin bastelt mit ihren Schülern Wassertheaterpuppen, ein trauriger Tischler lernt das Lächeln, ein Zahnarzt öffnet seine Praxis zur sonntäglichen Gratis-Behandlung der mittellosen Patienten… und das ist erst der Anfang!

Diese absolute Wohlfühlgeschichte verliert durch ihren märchenhaften Erzählton nicht an Glaubwürdigkeit. Die Figuren in Kalisas Geschichte sind keine Gutmenschen, keine Idealisten, es sind Menschen mit all ihren Ecken und Kanten die „einfach nur“ den Spaß im friedlichen Multi-Kulti-Alltag entdecken. Und so wachsen die unglaublichsten Verbindungen und tragen die schönsten Blüten. Der Leser folgt mit Freude dieser so charmanten Utopie.

(C.H. Beck, gebunden, 19,95 €)