Mirko Bonné: Nie mehr Nacht (Schöffling & Co.)

Eine Empfehlung von Gerrit Völker
Markus Lee reist mit seinem Neffen Jesse in die Normandie, wo er im Auftrag eines Kunstmagazins Brücken zeichnen soll, die 1944 bei der Landung der Alliierten eine besondere Rolle gespielt haben. Überschattet wird sie Reise durch den Suizid von Jesses Mutter. Für Markus wird die Reise zu einem monatelangen Aufenthalt im verlassenen Hotel L’Angleterre, das er hütet und wo er unter dem Einfluss der Geschichte des 2. Weltkriegs jene seiner eigenen Familie, seine eigene und die seines Verhältnisses zu seiner Schwester verarbeitet. Was als Road-Novel beginnt, wird zur melancholischen Bestandsaufnahme und zur individuellen und künstlerischen Selbstverortung.

 

„Nie mehr Nacht“ verhandelt auf vielschichtig und gekonnt historische und individuelle Traumata. In seiner komplexen Anlage, seiner bedachten und reflektierten Sprache (Bonné ist auch Lyriker) und der konsequenten Konstruktion von Prozessen der Entschleunigung, der Abkehr und der Auflösung entfaltet dieser Roman seine außergewöhnlichen poetischen Potenziale jenseits aller literarischen Trends. (Schöffling & Co., 19,95 €)